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Rio +20: Wie illegales Tropenholz reingewaschen wird

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RIO + 20  - KONKRET:  Auch weiterhin gilt: Kein Tropenholz kaufen!

Im Vorfeld der Agenda-Nachfolgekonferenz im Juni 2012 in Rio de Janeiro steht das Thema „Grüne Ökonomie“, was man auch immer darunter versteht, im Mittelpunkt.

Umwelt- und Indigene Organisationen sprechen von Agenda minus 20 angesichts all der Versäumnisse in den letzten 20 Jahren.

Andere Organisationen wie der WWF, dem immer stärker die Kooperation mit der Wirtschaft vorgeworfen wird, werden  das Thema des nachhaltigen Tropenholzes einbringen.

Deshalb ist es gut, am Beispiel Perus genauer hin zu schauen, wie es mit diesem „grünen Produkt“, sprich Holz aus dem grünen Regenwald,  aussieht.

Eine beängstigende Vorbemerkung: 98%  ist illegal, 2 % legal.

Das macht stutzig.

Gerardo Saravia zeigt in der Zeitschrift Ideele vom April 2012 die Realität:

Er bezieht sich auf eine Untersuchung des Anthropologen Carlos Cornejo über die Waldsituation im amazonischen Regenwald Perus, im Departament Loreto (mit der Großstadt Iquitos am Amazonas) wo 98% der Abholzung illegal ist.   Diese Zahlen hat der Präsident des Regionalen Programms für die Regenwaldnutzung 2010 bestätigt.

Saravia betont, dass diese Form des Holzgeschäftes gleichgestellt werden kann mit Aktivitäten im Drogengeschäft oder im illegalen Bergbau.

Die hinter diesem Geschäft stehenden Menschen sind in mafiösen Strukturen organisiert und werden durch korrupte Beamte und Polizisten unterstützt.  Aber auch die indigenen Dorfgemeinschaften arbeiten mit, meist sogar, ohne es wirklich zu wollen und zu wissen.

Saravia macht das am Beispiel des indigenen Dorfes Cuzco (Yanayaku, Dpt. Loreto) fest:

Der Dorfchef von Cuzco, Angel Yaicate, berichtete: „Wir beantragen ganz normal als Dorfgemeinschaft bei der zuständigen Behörde (INRENA) eine Genehmigung zur Abholzung einer Anzahl von Bäumen. Wir arbeiteten mit der Holzfirma Joel Campus zusammen. Es ging um eine Anzahl von Zedern. Im vierten Jahr der Genehmigung waren die offiziell genehmigten Bäume abgeholzt. Die Firma sagte zu uns: Ihr habt laut Vertrag die Verpflichtung, mehr Bäume zu schlagen. Das habt ihr nicht gemacht. Ihr habt euren Vertrag nicht erfüllt. Die einzige Möglichkeit ist, dass wir uns so regeln: Und sie erhielten weitere Bäume. Wir wussten nicht, was wir sonst machen konnten“.

Die nach Ablauf der Genehmigung gefällten Bäume waren illegal. Dann kamen die staatlichen Kontrolleure und bestraften das Dorf mit einer Summe von 20.000 Soles (ca. 7.000,- €) wegen illegalem Holzeinschlag in ihrem Wald. Das Geld hat das Dorf nicht. Wie geht es weiter? Es muss jetzt wohl mit einer anderen Firma, z.B. dem Chef der Holzkohlenherstellungsfirma David Nilson illegal einen Vertrag machen, um Einnahmen zu bekommen, um die Strafe zu bezahlen, damit niemand aus dem Dorf als Säumiger ins Gefängnis muss.

Und so gibt es nicht nur in diesem Dorf,  sondern in anderen indigenen Dorfgemeinschaften heftige, interne Konflikte wegen der Frage, wie die vorhandenen Reichtümer genutzt werden sollen – meist in der Form der Abholzung.

Eine alte, klassische Form der Holzfirmen lautet: „con trago de pago“ – gezahlt wird mit Alkohol.

Auch andere Tricks zerstören den Regenwald:

Die Holzfäller dringen, egal wo (auch in Naturschutz-Gebiete) ein und fällen wertvolle Bäume. Die werden versteckt gestapelt für entsprechende Gelegenheiten. Wenn eine indigene Dorfgemeinschaft eine offizielle Holznutzungslizenz besitzt – die eine bestimmte Anzahl und Art und Weise von Bäumen freigibt – geht es oft so zu: Es kommt zu einer Kooperation mit einer Holzfirma. Deren Mitarbeiter fälschen diese Genehmigung, erhöhen die Zahl der möglichen Bäume die gefällt werden können, und holen dann die vorher illegal abgeholzten und aufbewahrten wertvollen Bäume und transportieren diese mit der offiziellen Lizenz, ganz normal, aus dem Regenwald heraus. Illegales Holz wird auch so legal, mit der und durch die Lizenz für die Dorfgemeinschaft. Und wenn die Waldkontrolleure kommen und feststellen, dass hier gemauschelt wurde, dann muss die betroffene Dorfgemeinschaft die Strafe zahlen oder der Dorfchef gar ins Gefängnis.

Nach Alberto Chirif ist eine andere übliche Form der Betrug mit Konsumgütern. Diese (Macheten, Töpfe etc.) werden zunächst mündlich ganz günstig angeboten, bei der Lieferung werden total überhöhte Preise verlangt. Die Indigenen haben das Geld nicht, also müssen sie mit vielen Bäumen „bezahlen“. Sich zu  weigern ist nicht möglich, denn dann kommt schnell die Polizei und unterstützt die Holzmafia.

Das Fazit von Chirif: Es sind hier keine wirklichen Unternehmen zugange,  sondern eine kriminelle Mafia. Sie schauen, wo sie den schnellsten und höchsten Gewinn machen...nach mir die Sintflut.

Jetzt können entsprechende Organisationen auftreten und sagen: Aber Ende 2011 wurde in Peru ein neues, besseres Forstgesetz verabschiedet. Das Problem dabei ist nicht das Gesetz,  sondern Umsetzung und Kontrolle.

Abel Remitee beschreibt die Vorstellung, die immer noch wichtige Teile der wirtschaftlich Verantwortlichen haben: Bäume, die so im Regenwald herumstehen, haben doch keinen Wert. Diese Einstellung haben auch die Mafia-Organisationen, die – in Mexiko – Hauptkäufer des illegalen Holzes aus dem Regenwald sind.

Die Alternative wäre, dass die indigenen Dorfgemeinschaften ihren Wald selbst verwalten und managen. Dazu benötigen sie aber eine wirkliche Unterstützung, um  eine nachhaltige Waldnutzung mit Nutzungsplan und verbindlicher Wiederaufforstungs-Quote etc. zu garantieren,   und das mit einer effektiven und nicht-korrupten Bürokratie.

Aus eigener Kraft können die indigenen Dorfgemeinschaften den notwendigen Aufwand nicht leisten. Eine Fahrt von dem o.g. beschriebenen Dorf  Cusco in die Provinzhauptstadt kostet an Transportkosten ca. 200-300 Soles, dazu kommen Kosten für Unterkunft und Notarkosten.

Hier ist eine Unterstützung durch internationale Organisationen und Projekte notwendig. Sonst überläßt man das Feld nutzlosen Projekten und Organisationen, die die laufende Zerstörung des amazonischen Regenwaldes zeilenvoll anklagen.

Es muss  bei Rio +20 ein zentrales Thema sein, wie es gelingen kann, eine nachhaltige Waldbewirtschaftung durch die dort lebende Bevölkerung zu unterstützen und keine „Grüne – Anstrich-Politik“ zu machen, die nett daher kommt,  aber der Zerstörung nicht wirklich Einhalt gebietet.

(Gerardo Saravia, Servindi, April 2012,

Übersetzung Heinz Schulze)