Informationsstelle Peru e.V.

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Wem dienen Feldforschungen in Peru ?

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Ein Einwurf von Heinz Schulze

Dr. Störl, Privatdozentin (Arbeitsstelle Diversität und Hybridität im Kontext von Kultur, Sprache und Kommunikation an der TU Berlin) bietet für August 2011 eine Exkursion „Begegnung der Kulturen – Methoden der Feldforschung“ nach Peru an.

Teddy Sinacay T., verantwortlich für 32 Dorfgemeinschaften des indigenen Volkes der Asháninka im zentralen Regenwald Perus, Distrikt Rio Negro, dem ich das Programm zeigte, meinte dazu. Wem dienen eigentlich diese ganzen Forschungen in Perú? Auch zu uns in den Regenwald kommen viele Forscher. Wenige fragen uns, ob uns das gefällt oder sprechen es vorher mit uns ab, ob und wie deren Ergebnisse dazu dienen, unsere Rechte, unsere Kultur, unsere Überlebenschancen zu verbessern.

Bei genauerem Lesen des o.g. Programms sind aus Sicht einer langjährigen Kooperation mit Peru (von Basisorganisationen bis wissenschaftlichen Einrichtungen) einige Anmerkungen erlaubt:

- Zu was dienen Feldforschungsprojekte wie „Körpersprachlicher Emotionsausdruck bei verschiedenen Völkern“ ?

- Was ist „Feldforschung“ wenn im o.g. Programm in Cusco (außer Besuchen in der Universität UNSAAC oder im wichtigen Centro de Estudios Regionales Andinos Bartolomé de las Casas) hauptsächlich Inkaruinen in Cusco und im sog. Heiligen Tal und Machu Picchu (auch via 3-tätigem Inca-Trail) besichtigt werden ? Interessant wären Fragestellungen über Veränderungen der dortigen Gesellschaft durch den Tourismus, Migration, Bergwerkstätigkeiten, durch Veränderungen der Besitzverhältnisse im sog. Heiligen Tal.

- Der Besuch bei dem indigenen Volk der Machiguengas im Dept. Madre de Dios ist ein interessantes Tourismusprojekt mit der Möglichkeit, nachhaltigen Tourismus zu fördern (6 Tage = 450 Dollar). Interessant wäre, sich in dieser Region über das Riesenproblem der Goldförderung (mit Quecksilber) und Auswirkungen auf Menschen und Regenwald zu informieren. Hier wäre es interessant, sich danach in Berlin (und da z.B. in Kooperation mit der Informationsstelle Peru e.V.) an Kampagnen gegen diese Zerstörung zu beteiligen.

- Das Projektthema „Schamanismus und Trance“ ist eher etwas zur Befriedigung der persönlichen Neugierde denn ein seriöses Forschungsangebot.

- Beim Besuch der Urus im Titicacasee wäre interessant, sich im Vorfeld mit Fragen auseinanderzusetzen wie: Einfluss evangelikaler Religionsgemeinschaften auf die Urus oder: Wer wohnt auf den Schilfinseln oder wer fährt für die Touristen täglich vom Festland dorthin? Oder: Welche Auswirkungen hat die Verschmutzung auf Fische und Menschen ? Die Übernachtung auf der Insel Amantani könnte zu Informationen über die Organisationen eines nachhaltigen Tourismus – in Händen der dortigen Dorfgemeinschaft – genutzt werden.

Irgendwie bleibt die Frage von Teddy Sinacay T: „Wem dienen diese ganzen Forschungen“ unbeantwortet.

Mai 2011, Heinz Schulze