Indigene Konzepte zur Lebensqualität
Ein Diskussionsbeitrag von Heinz Schulze
Für uns Mitteleuropäer sind die indigenen Vorstellungen eines GUTEN LEBENS zunächst mal nicht gedacht, sie haben auch nichts mit esoterischen Fluchtszenarien aus der Realität zu tun. Unsere Art und Weise zu leben und zu produzieren ist anders als die von indigenen Völkern in den Anden oder im Regenwald Lateinamerikas. „VIVIR BIEN – GUT LEBEN“ ist ein positiver Ansatz, die aber gleichzeitig falsche Entwicklungsansätze ablehnt, die „wir“ (durch staatliche und private Entwicklungsprojekte wie auch besonders durch evangelikale Religionsgemeinschaften) indigenen Gemeinschaften gebracht haben.
Mit den Vorstellungen des GUTEN LEBENS wurde ich erstmals 1992 „konfrontiert“
Das geschah durch Gespräche mit Serafin Aju, einem methodistischen Aymara-Pastor aus Bolivien. Er war Teilnehmer einer Delegation von VertreterInnen indigener Organisationen aus Lateinamerika anlässlich der Protest- und Aufklärungskampagne „500 Jahre Kolonisierung und Ausbeutung“. Die Rundreise dieser interessanten Delegation haben wir mit organisiert und es war eine gelungene Antwort auf das Jubiläum der angeblichen „Entdeckung“ Südamerikas durch Kolumbus.
In späteren Briefen bemerkte Serafin Aju, dass es schwer sei, in seinem methodistischen Umfeld Ideen indigener Religiosität und Vorstellungen eines VIVIR BIEN in indigenen Gemeinschaften seinen theologischen KollegInnen, besonders in den USA, zu vermitteln.
Das Konzept des GUTEN LEBENS entwickelte sich als Teil der Weltsicht indigener Organisationen. Erst heute ist das Konzept aus der Umklammerung von nationalistischen indigenen Organisationen, orthodoxen linken Parteien, und geschäftstüchtigen „Schamanen“ die das Thema esoterisch vermarkteten, herausgewachsen und stellt heute eine politische Leitlinie im Staat Bolivien dar.
Frühere Beschreibungen des GUTEN LEBENS waren unter anderem: „Früher im Inca-Reich war alles besser und nur ein zurück zu diesem (Anmerkung: Sehr autoritären Staatsgefüge) Zustand bringt alles Gute zurück“; „Schamanen führen Rituale zur Naturverbundenheit und dem einfachen Leben durch, verhalten sich aber rein kapitalistisch.“
Die Unterschiede, was ein GUTES LEBEN konkret ausmacht, sind natürlich verschieden in andinen Dorfgemeinschaften oder indigenen Organisationen im amazonischen Regenwald. Das macht sich nicht nur an Begriffen wie „Mutter Erde“ (Anden) und “Mutter Natur“ (Regenwald) fest. Auch gelten diese Lebensvorstellungen nit mehr in allen indigenen Dorfgemeinschaften. Dort, wo der Einfluss kapitalistischer Religionen, z.Bsp. durch nordamerikanische Sekten, stark ist, und die Leute sich deshalb nicht mehr an traditionellen Festen beteiligen, bestimmte Speisen nicht mehr essen dürfen, etc.





