Von Heinz Schulze
Rezension
WIDER DAS VERGESSEN – YUNANAPAQ –
Bericht der peruanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission
Wir Menschen sind vergesslich. Deshalb ich die Herausgabe der Zusammenfassung des Abschlussberichts der peruanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission (WVK) über die 20 Jahre des bewaffneten internen Konflikts in Peru (1980-2000) durch Misereor und der Informationsstelle Peru sehr wichtig.
Wir erinnern uns, und daran erinnert auch Josef Sayer (Misereor) in eindrucksvoller Art in seinem Vorwort: In diesem „bewaffneten internen Konflikt“ wurden 69.820 Menschen ermordet bzw. „verschwanden“ und Abertausende Menschen mussten ihre Dörfer verlassen
Es ist das große Verdienst der WVK, dass sie ein Verständnis für die Ursachen, tatsächlichen Vorgänge schafft, die Verantwortlichen klar benannten (Leuchtender Pfad, Militär, Staat) und aufzeigt, welche Folgerungen zu ziehen sind, damit sich „das alles nicht wiederholt“.
Dieser Bericht kann als Lehrstück für eine intensive Wahrheitsfindung und dem Aufzeigen von Lösungen zur Versöhnung dienen, nicht nur in Peru sondern in allen Regionen der Welt, wo staatliche Institutionen moralisch verfallen, wo eine massive Diskriminierung, Schwächung der Zivilgesellschaft, Menschenrechtsverletzungen in großem Maßstab, Folter und Mord als „normale Politik“ geht.
Der Bericht zeigt auf, dass nach Beendigung einer solchen massiven Konfliktsituation eine der Hauptaufgaben darin besteht, den Opfern ihre Würde zurückzugeben und sie zu entschädigen.
Da in Peru der Hauptteil der Opfer zur ländlichen, armen indigenen Bevölkerung in den Anden und im Regenwald gehören, muss besonders ihnen die bevorzugte Aufmerksamkeit gelten.
Der Bericht zeigt auf, dass individuelle wie kollektive, symbolische und materielle Formen der Entschädigung miteinander verknüpft werden müssen.
Die zusammengefasste Übersetzung dieses Berichts ist auch eine wichtige Publikation in Sachen Entwicklungszusammenarbeit, weil hier deutlich aufgearbeitet wird, welche Faktoren und Versäumnisse gesellschaftliche Konflikte hervorrufen, wie gesellschaftliche Kräfte (Staat, Parteinen, Zivilgesellschaft, Kirchen) durch ihr Tun oder ihrem zulassen, mit schuldig werden können.
Die heutige Aufforderung heißt: Eine Internationale Kooperation und Entwicklungszusammenarbeit (sei es durch Kirchen, staatlichen Einrichtungen oder der Zivilgesellschaft, die sich nicht der Aufgabe stellt, einen aktiven Beitrag zum Frieden, Demokratieaufbau, sozialer Integration (im positiven Sinne) besonders der indigenen Bevölkerung, der Stärkung von zivilgesellschaftlichen Selbstorganisationen, Sicherung der Menschenrechte (und hier sind bewusst die wirtschaftlichen und sozialen Menschenrechte zu nennen), der Sicherung natürlicher Ressourcen, dem Aufbau eines Bildungssystems, (welches u.a. gegen ethnische und rassistische Diskriminierung gerichtet ist), zu leisten, ist nicht auf der Höhe der Zeit. Anders ausgedrückt: Es ist notwendig, mitzuhelfen, dass die Gerechtigkeit aufgebaut wird, dass „aus Scham Hoffnung wird“ und das fängt heute an.





