Der Fall Tambogrande : Gold oder Leben (Teil 2)
Die neuen Entwicklungen und eine neue Briefaktion
Tambogrande und sein gewaltloser Widerstand:
Gründe der Hoffnung
Am 10. Dezember 2002 bekam die Bevölkerung von Tambogrande den
Nationalen Menschenrechtspreis von dem Nationalen Zusammenschluss der
Menschenrechtsorganisationen überreicht. Die Auszeichnung bezieht sich
auf die gewaltlose Verteidigung ihrer Rechte gegen den drohenden
Goldabbau in den Dörfern der Region. Tambogrande liegt im San Lorenzo –
Tal, der wichtigsten landwirtschaftlichen Region der peruanischen
Küste. Das San Lorenzo – Tal ist der größte Produzent von Zitronen und
Mangos in Peru. Die Bevölkerung von Tambogrande ist davon überzeugt,
dass der Minenabbau katastrophale Folgen für die Landwirtschaft und die
Umwelt haben wird.
Seit mehr als drei Jahren kämpft die
Bevölkerung von Tambogrande mit ihren Organisationen für den Schutz der
Landwirtschaft und gegen den Goldabbau. So hatten sie z.B. vom 5. bis
7. November 2003 einen Generalstreik im San Lorenzo – Tal ausgerufen.
Der Streik war ein Erfolg und es fanden viele große gewaltlose
Demonstrationen statt. Diese Proteste wurden durch Demonstrationen in
Lima unterstützt. Es waren vor allem junge Leute, die die Proteste in
Lima organisierten. Die öffentlichen Präsentation des Minenprojekts in
Tambogrande, Piura und Lima wurden dadurch verhindert. Diese
Vorstellungen sind ein Teil des Verfahrens um das Goldprojekt umsetzen
zu können.
Mit diesen Aktionen will die Bevölkerung von
Tambogrande, dass der peruanische Staat ihre eindeutige Entscheidung
respektiert: In einer Volksbefragung im Juni 2002 waren 93,95 % der
gültigen Stimmen der BewohnerInnen Tambograndes gegen die Umsetzung des
Goldabbau - Projekts und für eine Fortführung der Landwirtschaft. Diese
Geschlossenheit der Bevölkerung ist ein sehr gutes Zeichen für die
Durchsetzung ihrer Rechte. Sie haben sich vernetzt. So arbeitet die
Organisation „El Frente de Defensa“, die die Bevölkerung von
Tambogrande repräsentiert, mit Organisationen des ganzen San Lorenzo –
Tals und aus Piura zusammen. Die bürgerliche Gemeinde und die Kirche
unterstützen die Arbeit ebenfalls. Viele Organisationen haben sich auf
nationaler und internationaler Ebene den Protesten angeschlossen. Die
Bevölkerung in Tambogrande hat in der peruanischen Gesellschaft ein
hohes Ansehen erlangt.
Der Kampf der Bevölkerung von
Tambogrande zeigt ein Mal mehr, dass es möglich ist, konkrete Ziel für
ein besseres Leben der Menschen zu erreichen. Es wäre gut, wenn die
peruanische Regierung durch diese Aktion verstehen würde, dass es
richtig ist, die Bevölkerung auf demokratischem Weg an Entscheidungen
teilhaben zu lassen, die sie betreffen. Die Bevölkerung soll die Art
und Weise und den Inhalt der Entwicklungsmodelle ihrer Region
mitbestimmen.
Am 10. Dezember 2003 hat CENTROMIN, die
peruanische Behörde für Minen – Konzessionen, das Projekt des
Unternehmens „Manhattan“ in Tambogrande, gestoppt.
Das kanadische Minen-Unternehmen "Manhattan"Im
Dezember 2002 stellte das Unternehmen Manhattan eine Studie der
Umweltfolgen des Goldabbaus in der Region von Tambogrande vor. Diese
Studie wird als Voraussetzung für die Genehmigung jedes Minen –
Projekts vom Staat verlangt. Die Studie von Manhattan wurde von der
zuständigen Behörde bewertet. Diese Behörde stellte fest, dass in der
Studie 191 Punkte auftreten, die völlig unklar sind. Eine Gruppe von
Wissenschaftlern der katholischen Universität Perus stellte in einer
Evaluierung fest, dass die Studie von Manhattan große technische Fehler
aufweist, dass sie nicht konsequent durchdacht ist und dass sie viele
wichtige Fragen nach den Folgen des Goldabbaus für die Umwelt offen
lässt. Diese Evaluierung der katholischen Universität wurde von
MISEREOR mitfinanziert.
Manhattan hat sich gegen die Entscheidung
von CENTROMIN gewehrt. Das Unternehmen meint, es hätte alle
Voraussetzungen für eine Genehmigung erfüllt. Es sucht nach
juristischen Möglichkeiten, die Entscheidung CENTROMINS anzufechten.
Das Unternehmen Manhattan hat öffentlich geäußert, dass sie weiterhin
neue Gebiete im Süden von Tambogrande untersuchen, um dort weitere
Goldabbauprojekte vorzubereiten. Die Entscheidung CENTROMINS hatte zur
Folge, dass die Aktien von Manhattan an Wert verloren haben.
Das
Unternehmen Manhattan hat fast alle Mittel genutzt, um sein Ziel zu
erreichen. So scheint es so zu sein, dass die Verleumdungskampagne
mancher Zeitungen der Region gegen Vertreter der Organisationen
Tambograndes und gegen den Bischof Cantuarias von Manhattan gesteuert
wurden. Der Bürgermeister von Tambogrande und andere Vertreter der
Organisationen sind vor Gericht angeklagt worden in Fällen, in denen
keine Beweise existieren. Sie werden sicher nicht verurteilt, aber
diese Prozesse haben das Ziel, die Angeklagten zu verunsichern.
Während
des Streiks im November 2003 wurden Einrichtungen von Manhattan
verbrannt. Selbst die Leiter der Organisationen Tambograndes halfen
mit, die Feuer zu löschen, da sie gleich vermuteten, dass Manhattan die
Feuer selbst gelegt hatte um den Streik zu dekretieren.
Dank
ihrer Organisationen ist die Bevölkerung von Tambogrande gut informiert
und hat ein großes Problembewußtsein, so dass sie nicht einfach zu
betrügen ist.
Die Entscheidung von CENTROMIN
Am
10. Dezember 2003 gab CENTROMIN bekannt, dass die Dokumentation von
Manhattan geprüft wurde und dass diese Dokumentation die Bedingungen
für die Genehmigung des Goldabbau – Projekts nicht erfüllt. Damit war
das Abkommen zwischen CENTROMIN und Manhattan aufgehoben. Bei diesem
Abkommen geht es um 10 Konzessionen über 10.000 Hektar.
Die
Entscheidung von CENTROMIN betrifft nicht die Konzessionen über 53.700
Hektar Land von Manhattan in Lancones und Papayo, die auch im San
Lorenzo – Tal liegen. So beansprucht Manhattan weiterhin das Recht den
Prozess weiterzuführen, um mit diesen übrigen Konzessionen arbeiten zu
können. Die peruanische Regierung hat erlaubt, dass Manhattan bis 2003
weitere Gebiete Piuras als mögliche Gold - Abbaugebiete bei der
zuständigen Behörde anmeldet.
ANALYSE DER ENTSCHEIDUNG VON CENTROMIN
CENTROMIN
begründet seine Entscheidung mit technischen und wirtschaftlichen
Argumenten. Doch es handelt sich sicher auch um eine Entscheidung, die
durch die Proteste der Bevölkerung stark beeinflusst wurden. Die
Entscheidung wird als ein Erfolg der Menschenrechtsbewegung in Peru
bewertet. Die internationale Unterstützung hat dabei eine wichtige
Rolle gespielt.
Nach Meinung vieler hat Manhattan nach
der Entscheidung von CENTROMIN wenig Chancen, seine Pläne umzusetzen.
Andere Unternehmer könnten jedoch beanspruchen, ein Minenprojekt
weiterzuführen.
Es wäre problematisch, wenn die
Regierung durch diese Entscheidung die Genehmigung des Projekts nur
verzögern möchte. Selbstverständlich verträgt die gespannte politische
Situation in Peru keinen Aufstand. Aber mit einer Verzögerung der
Lösung des Problems kann man genau das Gegenteil erreichen: Das Problem
wird noch größer.
Sicher will die peruanische Regierung
mit dieser Entscheidung erreichen, dass andere Minenunternehmer in
anderen Regionen in Ruhe weiterarbeiten können. Tambogrande soll nach
ihrer Meinung kein Beispiel für andere Organisationen sein, die sich
gegen Minenprojekte wehren. Die einzige Möglichkeit, große Proteste zu
verhindern, besteht darin, dass die Regierung die Entscheidung der
betroffenen Bevölkerung über ihre Zukunft respektiert. Die Umwelt als
Lebensraum muss in jedem Fall respektiert werden.
DIE AKTION DER INFOSTELLE PERU FÜR TAMBOGRANDE
Im
Juli 2002 begannen wir mit unserer Briefaktion für die Unterstützung
der Bevölkerung von Tambogrande. Durch diese Aktion haben wir die
Solidaritätsgruppen, Hilfswerke und Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit über das Thema weiter informiert. Die
Briefaktion wurde von vielen Organisationen und Privatpersonen
unterstützt.
Im Juni 2003 wurde die Briefaktion auf
europäischer Ebene fortgesetzt. Verschiedene Organisationen aus
Spanien, England, der Schweiz, Belgien, Frankreich und Deutschland
unterstützen Tambogrande.
Im Dezember 2002 besuchte
Präsident Toledo das Europa – Parlament in Brüssel. Toledo wurde zu
diesem Thema befragt. Bei einem Besuch bei der GTZ Gesellschaft
für technische Zusammenarbeit im Mai 2002 konnten wir über das Thema
Tambogrande sprechen. Das wiederholten wir bei einem Besuch Toledos in
Berlin.
All diese Aktionen waren durch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Personen möglich.
DIE NEUE FORDERUNG
Die
Entscheidung von CENTROMIN ist ein Schritt nach vorne. Dieser Erfolg
kann uns Mut machen, weiterhin unser Ziel zu verfolgen: Die Bevölkerung
von Tambogrande soll in Frieden und in einer intakten Umwelt leben
können. Die einzige Lösung für dieses Problem ist, dass das peruanische
Parlament das San Lorenzo – Tal und Tambogrande als unantastbar
erklärt, als Schutzgebiet für landwirtschaftliche Arbeit im Einklang
mit der Umwelt. Im Parlament liegt ein Gesetzentwurf vor, der das
erreichen will. Diesen Gesetzentwurf hat der peruanische Abgeordnete
Víctor Velarde vorgelegt – ein Anliegen von Tambogrande und seiner
Organisationen und VertreterInnen.
Solange das nicht
erreicht ist, bleibt die Bedrohung bestehen. Im San Lorenzo – Tal leben
100.000 Menschen von der Landwirtschaft. Das ist eine gute
Möglichkeit um Druck auszuüben, damit die peruanische Regierung die
Landwirtschaft in Peru als eine Möglichkeit zur Verbesserung der
Lebensbedingungen der Mehrheit der Bevölkerung fördert.
WAS KÖNNEN WIR TUN?
Wir
bitten Sie, auf Vorschlag unserer Partner – Organisation in Piura, den
vorgeschlagenen Brief an folgende Adressen zu richten:
An den Präsident Perus
Herrn Alejandro Toledo Manrique
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- Kopie an den Präsident der Organisation „Frente de Defensa de Tambogrande“
Herrn Francisco Ojeda Riofrío
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Inhalt des vorgeschlagenen Briefes:
Dr. Alejandro Toledo
Presidente de la República del Perú
PRESENTE
Señor Presidente:
Nos
dirigimos a usted preocupados por la todavía incierta situación que
vive la población del distrito de Tambogrande (Piura-Perú)
Tenemos
conocimiento porla información recibida que, Centromin
Perú, la agencia del gobierno peruano el 10 de diciembre del
2003, informó a la empresa minera Manhattan que revisada la
documentación enviada concluyó que NO logró reunir los requerimientos
del acuerdo de opción por lo que éste estaba terminado. También que el
acuerdo de opción por Tambogrande con Centromin Peru incluye 10
concesiones mineras que cubren 10,000 hectareas. Las 53,700 hectares de
Manhattan de las concesiones de Lancones y Papayo no están afectadas
por este decisión.
Mientras tanto, la
empresa minera Manhattan a través de sus voceros ha dado a conocer que
continuará enfocando sus actividades en los programas de exploración
planificados en su terreno al sur del pueblo de Tambogrande, donde la
compañía ha descubierto ya el proyecto B-5, y sus otras propiedades de
exploración en la región.
Recordamos que
la población de Tambogrande a través de una consulta Vecinal
convocada por el gobierno local , expresó su opinión sobre la posible
explotación minera en su distrito. El resultado mostró la
disconformidad del pueblo de Tambogrande con esta posibilidad en
su zona, ya que mayoritariamente, en un 93.95% de los votos
válidos fueron paran el NO a la actividad minera en el lugar.
Asimismo
se ha presentado en el Congreso un proyecto de ley sobre la
intangibilidad del Valle de San Lorenzo y Tambogrande presentado por el
congresista Víctor Velarde, propuesta que es apoyada también por la
población y sus autoridades
Por todo lo anterior solicitamos:
1)
Tomar todas las medidas necesarias para garantizar el respeto a la
decisión del pueblo de Tambogrande expresada a través de la Consulta
Vecinal.
2) Apoyar el proyecto de Ley de intangibilidad del Valle de San Lorenzo y Tambogrande
Esperamos
que el gobierno informe a la población de Tambogrande las acciones que
decida llevar a cabo para resolver dicha situación.
Atentamente,
Nombre y apellido/ organizacion/ ciudad y pais (Alemania)
Deutsche Übersetzung des vorgeschlagenen Briefes:
Herrn Dr. Alejandro Toledo
Präsident Perus
Sehr geehrte Herr Präsident,
wir
wenden uns an Sie, um unserer Sorge über die unsichere Situation der
Bevölkerung Tambograndes / Piura / Peru zum Ausdruck zu bringen.
Wir
sind darüber informiert, dass am 10. Dezember 2003 CENTROMIN, die
zuständige Behörde, die Dokumentation von Manhattan geprüft hat und
dass diese Dokumentation die Bedingungen für die Genehmigung des
Goldabbau – Projekts nicht erfüllt. Damit war das Abkommen zwischen
CENTROMIN und Manhattan aufgehoben. Bei diesem Abkommen geht es um 10
Konzessionen über 10.000 Hektar. Wir wissen, dass die Entscheidung von
CENTROMIN nicht die Konzessionen über 53.700 Hektar Land von Manhattan
in Lancones und Papayo betrifft, die auch im San Lorenzo – Tal liegen.
Das
Unternehmen Manhattan hat öffentlich geäußert, dass sie weiterhin neue
Gebiete im Süden von Tambogrande untersuchen, um dort die Ausbeutung
für Goldabbau vorzubereiten.
Wir
möchten Sie daran erinnern, dass sich die Bevölkerung von Tambogrande
in einer Volksbefragung, die von der bürgerlichen Gemeinde organisiert
wurde, mit 93,95 % aller gültigen Stimmen gegen einen Goldabbau in
Tambogrande ausgesprochen hat.
Wir
wissen, dass dem Parlament ein Gesetzentwurf vorliegt, der erreichen
will, dass das San Lorenzo – Tal und Tambogrande als unantastbar
erklärt wird. Diesen Gesetzentwurf hat der peruanische Abgeordnete
Víctor Velarde vorgelegt – ein Anliegen von Tambogrande und seiner
Organisationen und VertreterInnen.
Wir bitten Sie darum,
1.
alle Maßnahmen zu ergreifen, damit die Meinung der Bevölkerung
Tambograndes, die durch die Volksbefragung klar zum Ausdruck kam,
respektiert wird.
2. Ebenso
bitten wir Sie um die Unterstützung für den Gesetzentwurf, der das San
Lorenzo – Tal und Tambogrande als unantastbar erklären will.
Wir
erwarten, dass die Regierung die Bevölkerung von Tambogrande ständig
über die Maßnahmen und Entscheidungen informiert, die die schwierige
Situation lösen sollen.
Hochachtungsvoll,
(Name, Stadt, Organisation), Bundesrepublik Deutschland
Quellen: www.tambogrande.org.pe,
FEDEPAZ electronico, Instituto de Defensa Legal - Ideele, Zeitung "La
Republica", Zeitung "El Comercio", Zeitschrift "Caretas", Forum
Solidaridad Peru, Forum Tpsipol/Red Democratica, AGENCIA PERU.COM,
Servicio Informativo Signos online.
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